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02.01.2023 | Blog

Pendlerverkehr – quo vadis?

Worum geht's?
Das Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort umfasst in Deutschland rund ein Fünftel des gesamten Personenverkehrs. Vor allem in den Metropolräumen nimmt das Pendeln stetig zu. Seit den 1970er-Jahren legen die Menschen in Deutschland immer weitere Arbeitswege zurück, die mittleren Distanzen im Berufsverkehr haben sich seitdem fast verdoppelt.

Besonders beliebt ist nach wie vor der eigene Pkw, vor allem im Corona-Jahr 2020 stieg der Anteil der Pkw-Pendler nochmals an.

Rund 22 Prozent der klimarelevanten Emissionen des Personenverkehrs entfallen auf das Berufspendeln. Diese Emissionen lassen sich mit 95 Prozent fast vollständig dem Pkw-Berufsverkehr anlasten.


Was steckt dahinter?
6,7 Millionen Menschen haben nach Angaben des Statistischen Bundesamts tägliche Arbeitswege von mehr als 20 Kilometern, rund elf Millionen Deutsche brauchen laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung mehr als eine halbe Stunde zur Arbeit. Dass viele dieser Wege mit dem Auto zurückgelegt werden, ist nicht immer Bequemlichkeit, sondern oft notgedrungen, weil der Nahverkehr schlecht oder gar nicht ausgebaut ist.

Die Gründe, warum viele Menschen nicht in der Nähe ihres Arbeitsortes wohnen, sind oft multikausal. So ist die Zahl der Erwerbstätigen seit 1992 immer weiter angestiegen - vor allem die Zahl erwerbstätiger Frauen hat seitdem um 4,3 Millionen zugenommen. Dies entspricht einem Wachstum der Erwerbstätigenquote von 56 auf 73 Prozent. Hinzu kommt eine zunehmende Spezialisierung des Arbeitsmarktes und eine fortschreitenden Individualisierung von Lebensstilen - was die Suchradien von Arbeitgebern wie auch Arbeitnehmern*innen deutlich ausdehnt und die Bereitschaft erhöht für die optimale berufliche Entfaltung ggf. weitere Wege in Kauf zu nehmen. 

Der anhaltende Ausbau vor allem der Pkw-Fernverkehrsinfrastruktur, sowie die steigende Motorisierung ermöglichen und fördern das Pendeln über lange Entfernungen und ersetzen teilweise auch den Umzug zum neuen Arbeitsort. Hinzu kommt der Trend zum weniger dichten Wohnen (Suburbanisierung ) welcher durch die Covid-19 Pandemie und die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten weiter an Attraktivität gewonnen hat. Der Wunsch im vertrauten Umfeld wohnen zu bleiben auch wenn es dort keine passende Arbeit gibt, spielt ebenfalls eine Rolle. Aber auch Alternativlosigkeit ist ein Grund: Arbeitswege sind keine optionalen Wege und nicht jede Arbeit lässt sich von Zuhause aus verrichten.

Aber:
Verschiedene Studien aus Österreich zeigen, das sich das Mobilitätsverhalten durch die Stärkung von Alternativen zum Pkw ändern läst. Dazu zählen vor allem Maßnahmen im ÖPNV wie schnelle Busverbindungen auf vielbefahrenen Pendlerstrecken und Maßnahmen im Radverkehr wie der Ausbau von Radschnellwegen. 
Der auch durch die Pandemie ausgelöste Trend mehr im Homeoffice zu arbeiten kann ebenfalls dazu beitragen den Berufsverkehr insgesamt zu reduzieren und hat einen spürbaren Klimaschutzeffekt - wenn dabei auf den eigenen Pkw verzichtet wird. Arbeiten 40 Prozent der Erwerbstätigen jeweils zwei Tage pro Woche zu Hause, spart dies geschätzt 5,4 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ein. Dies entspricht 18 Prozent der Emissionen des Berufspendelns bzw. 4 Prozent der Emissionen des Personenverkehrs insgesamt.

Und jetzt?
Pendler die mit dem eigenen Pkw unterwegs sind haben in der öffentlichen Wahrnehmung keinen leichten Stand. Im Zuge der Klimadebatte werden Sie gerne besonders hart kritisiert. Nicht immer ist das angebracht oder gerecht. Umfragen haben ergeben, das Pendler praktisch denken - ihnen kommt es vor allem darauf an, möglichst gut und schnell zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Die Hauptgründe für die Nutzung des eigenen Pkw's sind die schlechte Anbindung, geringe Taktung und fehlende Flexibilität des ÖPNV - nicht etwa Preis oder Bequemlichkeit.

Ohne aber liebgewonnene jahrzehnte alte Strukturen (Autoprivilegien, Steuerrecht) aufzubrechen, wird es nicht möglich sein, eingefahrenes Mobilitätsverhalten nachhaltig zu ändern. Hier sind politische Entscheidungen gefragt, Fördermittel allein werden nicht ausreichen. 

Anne Loos

Autorin

Anne Loos

Anne Loos ist Referentin für Mobilitätsmanagement beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg in der Koordinierungsstelle Rheinland. 


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