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02.10.2022 | Blog

Kennen Sie die wahren Verkehrskosten in Ihrer Kommune?

„Klimaschutz ist zu teuer“ ist ein, gerade in der aktuellen innen- und außenpolitischen Lage, gerne und oft vorgetragenes Argument gegen Investitionen in nachhaltige Lösungen. Dabei ist der Umkehrschluss richtig. Wenn wir jetzt nicht sofort in den Klimaschutz investieren, wird es richtig teuer. Auch im Mobilitätsbereich werden viele Maßnahmen als nicht kosteneffizient bewertet. Besonders den ÖPNV trifft dieser Vorwurf sehr häufig.

Kaum Überblick über die Summe der Mobilitätsausgaben
Doch diese Überlegung greift zu kurz. Die Frage muss sein: Ist denn der Status Quo unseres Verkehrssystems kosteneffizient? Wieviel Geld fließt insgesamt in welchen Bereich? Erfahrungsgemäß sind diese Fragen kaum zu beantworten, denn die wenigsten Kommunen betrachten ihre Ausgaben im Verkehrsbereich umfassend.

Entscheidend ist außerdem, aus welcher Perspektive man auf Kosten blickt. Neben den Investitions- und Unterhaltungskosten von Mobilität, die üblicherweise durch die öffentliche Hand getragen werden, entstehen auch gesamtgesellschaftliche Kosten für die Volkswirtschaft, beispielsweise in Form von Umwelt- und Gesundheitskosten. Diese sind insbesondere beim Pkw deutlich höher als bei Fuß- und Radverkehr oder dem ÖPNV.

Nachhaltige Mobilität ist ökonomischer
Aus diesem Grund haben wir, das Zukunftsnetz Mobilität NRW, das Handbuch „Kosteneffizienz durch Mobilitätsmanagement“ herausgebracht. Es zeigt anhand von Fallbeispielen, dass Investitionen in nachhaltige Mobilitätsentwicklung nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus ökonomischer Sicht vorteilhaft sind und eben keine Zusatzkosten darstellen. Ein Blick in das gesamtheitliche Kosten-Nutzen-Verhältnis von unterschiedlichen Mobilitätsmanagementmaßnahmen in Bergisch-Gladbach, Hamburg, München & Stockholm bestätigt: Sie alle haben eine positive ökonomische Wirkung erzielt. Einsparungen bis zu 100 Euro pro Einwohner*in im Vergleich zum Status Quo sind, vor allem durch einen Modal Shift vom Auto hin zum Umweltverbund, möglich. Und wollen wir uns weiterhin eine Infrastruktur leisten, die vor allem den PKW priorisiert? Die Antwort in unserem Handbuch dürfte einige überraschen.

Teurer Rechenfehler für die Volkswirtschaft
Diese sogenannten “externen Kosten“ werden bisher bei der Bewertung von neuen Maßnahmen des Mobilitätsmanagements kaum beachtet. Ein Fehler, denn auch diese Folgekosten werden in den allermeisten Fällen durch die Allgemeinheit getragen. Dieser Beitrag in der ARD-Mediathek erläutert die Rechenmethodik und Forschungswege.

Ein genauer Blick auf die ganzheitlichen Kosten hilft, auch die ökonomische Nachhaltigkeit unserer Verkehrssysteme in den Blick zu nehmen und Maßnahmen realistisch als Investition einzuschätzen – denn das passiert noch zu selten.

Marius Reißner

Autor

Marius Reißner

Marius Reißner ist Referent für Mobilitätsmanagement beim Verkehrsverbund Rhein-Sieg in der Koordinierungsstelle Rheinland. 


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