Häufig gestellte Fragen

Beide Ansätze verfolgen das gemeinsame Ziel, die bestehende Verkehrsinfrastruktur effizienter zu nutzen. Beide Ansätze setzen dabei auf organisatorische Maßnahmen. Während beim Verkehrsmanagement aber die (technische) Beeinflussung und Steuerung des Verkehrsablaufs im Vordergrund steht, so zielt Mobilitätsmanagement auf eine Beeinflussung und Unterstützung des individuellen Mobilitätsverhaltens durch Informationen und Dienstleistungen. In der Praxis vermischen sich die beiden Ansätze zunehmend.

Es gibt Mobilitätsdienstleistungen, die sich auf dem Markt durchsetzen, so z. B. Car-Sharing, Softwareprodukte für das Geschäftsreisemanagement oder das Consulting von Unternehmen zu Mobilitätskonzepten. Für einfache verkehrsmittelübergreifende Informationen lässt sich in der Regel kein Nutzerentgelt erheben. Ein integratives Mobilitätsmanagement mit umfassenden Maßnahmen ist aber ein wichtiges Instrument der Verkehrsplanung. Hier ist die öffentliche Hand gefordert. Für Mobilitätsmanagement bedeutet dies, dass häufig eine Kooperation von Öffentlichen und Privaten (Public-Private-Partnership) die sinnvollste Lösung darstellt.

Mobilitätsmanagement als verkehrspolitische Strategie besitzt verschiedene Vorteile:

  • Im Vergleich zu aufwendigen Infrastrukturmaßnahmen ist Mobilitätsmanagement ein eher kostengünstiger und effizienter Ansatz zur Beeinflussung des Verkehrsgeschehens.
  • Die Aktivierung eigener Beiträge der Verursacher von Verkehr (Betriebe, Einzelhandel, Freizeitgroßeinrichtungen etc.) durch Kooperation unterstützt und entlastet die Arbeit der Stadtverwaltung.
  • Ein umfassendes Mobilitätsmanagement leistet einen Beitrag zum Einhalten der EU-Luftqualitätsrichtlinie.
  • Es geht um ein Dienstleistungsangebot für die Bürger/-innen und Besucher/-innen. Ein solcher Ansatz stößt auf breite politische Akzeptanz und ist daher leichter umsetzbar.
  • Mobilitätsmanagement ergänzt die bewährten Instrumente im Sinne eines integrativen Verkehrskonzeptes.

Aktuelle und individuell zugeschnittene Informationen sind das A und O, wenn es darum geht, gute Entscheidungen in Bezug auf die eigene Mobilität zu treffen. Häufig geht es aber auch um die bessere Verknüpfung von Angeboten oder die Organisation von ganz neuen Mobilitätsalternativen. Deshalb greifen beim Mobilitätsmanagement Information und Organisation eng ineinander.

Natürlich kann auch ein gutes Mobilitätsmanagement die Verkehrsprobleme nicht allein lösen. Zielführend ist nur die Verknüpfung mit preislichen, ordnungsrechtlichen, planerischen und technischen Maßnahmen. Aber Mobilitätsmanagement hat gezeigt, dass eine Verringerung des Pkw-Verkehrs an einzelnen Standorten um 10 % bis 20 % machbar ist

Mobilitätsmanagement bezieht sich häufig auf den Personenverkehr allein. Im Bereich des Güterverkehrs hat ein verwandter organisatorischer Ansatz schon eine lange Tradition und sich zum spezifischen Berufsfeld entwickelt - die Logistik. Der Warentransport zum Konsumenten (Lieferservice) oder die City-Logistik werden aber häufig unter Mobilitätsmanagement subsumiert.

Erfolgskontrolle ist wichtig und von Beginn an einzubeziehen. Beim Mobilitätsmanagement läuft sie auf verschiedenen Ebenen. Es geht um die Kenntnis, Nutzung und Bewertung der Dienstleistungen ebenso wie um die verkehrlichen Wirkungen der Strategie. Auch Kosten-Nutzen-Aspekte sind zu beachten, wenn es um die Effizienz von Maßnahmen geht. Im Betrieblichen Mobilitätsmanagement zeigen Studien aus den Niederlanden, Großbritannien und den USA mögliche Reduktionen des Pkw-Verkehrs um 5 % bis 20 %, je nach Umfang des Ansatzes.

Da die Fördermittel in Deutschland stark auf Infrastruktur ausgelegt sind, haben es Mobilitätsmanagement-Ansätze nicht leicht. Allerdings fördern einige Bundesländer schon heute Mobilitätszentralen aus GVFG- oder Regionalisierungsmitteln. In Zukunft sollen Mobilitätszentralen, zumindest deren Anfangsinvestitionen, explizit im Förderkatalog des GVFG erscheinen. Die Stadt München hat als erste deutsche Kommune ein Förderprogramm für Betriebliches Mobilitätsmanagement aufgelegt. Ein kreativer Umgang mit verschiedenen Förderquellen ist also geboten. Auch Forschungsmittel von Land, Bund, EU oder Stiftungen können bei der Umsetzung von Pilotvorhaben unterstützen.

Schwer zu sagen. Deutschland hat viel Erfahrung bei der Entwicklung von großen, technischen Lösungen. Dies gilt auch für den Verkehrssektor. Kleinteilige, organisatorische Strategien haben häufiger weniger Strahlkraft und es deshalb schwerer, sich durchzusetzen. Unsere Nachbarn, z. B. die Niederlande oder die Schweiz, zeigen, wie man durch gute Organisation und den Ausbau von Schnittstellen und Informationsplattformen zu einem effizienten multimodalen Verkehrssystem gelangen kann.

Da es um Dienstleistungen und Nutzerverhalten geht, ist Mobilitätsmanagement weniger eine Ingenieuraufgabe. Es sind vor allem Kundenorientierung und Organisationsfertigkeit gefragt. Für die strategische Ebene ist die Fähigkeit essentiell, Akteure und Institutionen zu vernetzen. Das Denken in Systemen hilft bei der Aufgabe der Integration der Verkehrsmittel. Gleichzeitig braucht ein/-e Mobilitätsmanager/-in aber auch Gelassenheit und die Fähigkeit zum Kompromiss, da sich Maximalziele in Kooperationen kaum umsetzen lassen.

Die Berufsbilder im Mobilitätsmanagement sind bisher nicht klar fixiert. Im Hochschulbereich gibt es einen Aufbaustudiengang an der Universität Kassel. In einigen Studiengängen des Verkehrswesens ist Mobilitätsmanagement integraler Bestandteil, so z. B. an der RWTH Aachen oder der FH Erfurt. Spezifische Fortbildungen gibt es im Bereich Mobilitätsberatung. Der Ausbildungsgang "Kaufmann/-frau für Verkehrsservice" bietet gute Voraussetzungen für das Erbringen von Mobilitätsdienstleistungen direkt für die Kunden. Weitere Hinweise finden Sie in der Rubrik Links